Presse

Frauenschützenverein besteht über ein Jahr

Artikel der Westfälischen Nachrichten vom 22. Juni 1991

N o r d w a l d e (Eig. Ber.). Frauen als Schützenbrüder ? Wo gibt es denn so etwas ?” Manchem traditionell gesinnten Schützenbrüder verschlägt es da einfach die Sprache – Oder es bringt ihn zum Lachen. Und doch, es gibt sie in Nordwalde, und das schon seit mehr als einem Jahr: Die “Nordwalder Frauenschützen mausern sich langsam zu einem richtigen Schützenverein, in dem Geselligkeit und althergebrachte Bräuche ebenso gepflegt werden wie in den traditionellen Nordwalder Schützenvereinen. ,Frauen kommen langsam, aber gewaltig” – Was Ina Deter einst in einem Popsong besang, das gilt in gewisser Weise auch für die Nordwalder Frauen-Schützen. “Erst einmal langsam anfangen, um das Ganze aufzubauen”, so erläutern Vorsitzende Ingrid Waltring und Schriftführerin Gerlinde Hölscher das für die nächsten Jahre geplante Programm. Vielleicht ist es, neben dem finanziellen Risiko, bei den Frauen auch ein wenig die Angst vor der eigenen Courage, denn daß schon das erste Schützenfest im vergangenen August so vorbildlich ablaufen würde, hatten selbst die optimistischsten Frauen nicht vermutet. Seinen Anfang nahm der Verein dabei eigentlich schon ein gutes Jahr zuvor, als beim Frauenkaffee zum 400jährigen Jubiläum der St.-Dionysius Schützenbruderschaft der Männer die Idee entstand, einen eigenen Frauen-Schützenverein zu gründen. Im Protokollbuch steht genau, wie so ein Gedanke an diesem Tag in diesem Rahmen aufkommen konnte: “Das versprochene ‘reichhaltige’ Programm fand nicht statt. Statt dessen spielte eine Kapelle “Guten Abend, gute Nacht”. Um 16.16 Uhr hatten wir im wahrsten Sinne des Wortes den Kaffee auf”. Da es zudem im Zelt auch sehr heiß war, 35 Grad und mehr, nahmen wir Stuhl und Getränk und setzten und ins Freie. Die Enttäuschung war schnell verdaut, die gute Laune bald wiederhergestellt. Bei der Überlegung, wie man es hätte besser machen können, entstand die Idee, einen Frauenschützenverein’ zu gründen. Gesagt, getan. Der erste Termin für eine Versammlung war schnell gefunden. Um das Marschieren schon mal zu probieren, wurden Hüte und Schärpen der Fahnenträger organisiert und gemeinsam zog man wieder in das Festzelt ein. Doch statt Beifall und Gelächter erntete man nur entsetzte Gesichter und den Gegenangriff. Die Fahnenträger forderten dazu auf, dieHüte und Schärpen unverzüglich wieder abzugeben. Dazu war man ja auch bereit, nur wer auf seine Sachen nicht aufpasst, muss dafür bezahlen. Was dann auch in Form eines Fasses Freibier geschah. Doch auch von diesem ersten, etwas unplanmäßig verlaufenem Auftritt ließen die neuen Damen Schützen sich nicht abhalten, und so traf man sich rund vier Monate später, um nun einen eigenen “Frauenschützenverein” aus der Taufe zu heben. Zügig ging es voran: im August 1990 zählte der Verein bereits 57 Mitglieder, bis heute haben sich sogar schon 90 Schützenschwestern angeschlossen. Schnell waren auch alle Formalitäten erledigt, so daß dem ersten Schützenfest nicht mehr viel im Wege stand. Gefeiert wurde auf dem Gelände der Ponderosa. Ganz besonders tatkräftig zur Seite standen den Damen Pastor Albert Markfort, der vor Beginn des ersten Festes die neue Fahne weihte, sowie die “Dörper Jungs“, die den Damen den Thekendienst abnahmen. Erste Königin des Vereins wurde Petra Schröder, die mit dem 58. Schuß den Vogel von der Stange holte. Zusammen mit ihrem Mann Bernhard trat sie die Regentschaft an. Daß die Damen-Schützen auch in diesem Jahr wieder feiern wollen, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Auch der Termin steht schon fest: Am 24. August (Samstag) wird an der Ponderosa die zweite Königin des jungen Vereins ermittelt. Keiner weiß, wie sich der erste Frauen-Schützenverein in Zukunft weiterentwickeln wird, wahrscheinlich wird aber auch dieser Verein für die meisten der “gestandenen” männlichen Schützenbrüder bald wie selbstverständlich dazugehören. Denn aufgehört, erstaunte Fragen zu stellen (“Frauen als Schützenbrüder, wo gibt’s denn sowas ?”), haben die meisten schon längst. Denn Frauen als Schützenbrüder, es gibt sie zumindest in Nordwalde.